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Katharina Lika geht in Groß Munzel neue Wege

Schon mit 26 Jahren an der Spitze eines Sportvereins / Die Jugend für das Ehrenamt gewinnen

Groß Munzel (red). Zu Beginn des Jahres trat mit Friedrich-Wilhelm Engelke der Vorsitzende des TSV Groß Munzel ab. Jetzt wird der nördlichst gelegene Sportverein Barsinghausens von einer jungen Dame geleitet. Katharina Lika gehört mit ihren 26 Lenzen zu den jüngsten Spitzenfunktionären in der Region, ist in "ihrem" Verein obendrein noch selbst aktiv.

DLZ: Nachträglich Glückwunsch zu ihrer Wahl. Das Außergewöhnliche daran ist sicherlich ihr Alter. Sie sind erst 26 Jahre jung und leiten nun einen Mehrspartenverein mit rund 750 Mitgliedern. Wie fühlt man sich da?

Lika: Ich sehe das als Herausforderung an. Als Nachteil kann ich meine Unerfahrenheit im Umgang mit einer Vereinsführung erkennen. Doch ich habe bereits vier Jahre als stellvertretende Vorsitzende mitgearbeitet. In dieser Zeit habe ich einige Erfahrungen sammeln können und denke, dass ich einschätzen kann, welche Aufgaben auf mich zukommen. Im Übrigen haben wir in unserem Verein viele junge Vorstandsmitglieder. So ist meine Stellvertreterin, mit der ich bereits vier Jahre zusammengearbeitet habe, 39 Jahre alt, unsere neu gewählte Mitgliederwartin 25 und unser neuer Pressewart 19 Jahre alt. Auch haben wir junge Leute in den Spartenleitungen. Der Fußball-Spartenleiter ist 35 Jahre, der stellvertretende Tennis-Spartenleiter 32 Jahre alt. Und ich werde versuchen, die Verantwortlichen in meinem Verein weiter zu verjüngen. Das soll nicht heißen, dass ich die Älteren loswerden will. Nein, ich will eine gesunde Mischung zwischen Jung und Alt erreichen.

DLZ: Das ist aber ganz gegen den Trend. Es heißt doch immer wieder, dass kein Nachwuchs für ein Vorstandsamt zu finden ist.

Lika: Schauen wir uns doch einmal die Vereine an. Die meisten Vereine haben im Bereich der Kinder große Mitgliederzahlen zu verzeichnen. Bei den Jugendlichen bröckelt es stark ab und bei den jüngeren Erwachsenen fehlen eben-

falls die Mitglieder. Erst ab 45 Jahren wird ein Verein wieder interessant für die Mitglieder. Ich möchte zumindest in meinem Verein diese Schwachstellen versuchen zu beseitigen. Wenn es mir gelingt, hier Interesse bei diesem Personenkreis durch neue zeitgemäße Angebote zu wecken, sie zur Mitgliedschaft zu bewegen und ihre Identifikation mit dem Verein zu stärken, dann sind die Leute auch bereit, Arbeiten im Verein außerhalb des Sportbereichs zu übernehmen. Für die Zukunft gilt, dass wir die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilen und Einzelne nicht vor einem großen Berg Arbeit stehen und irgendwann die Lust verlieren.

DLZ: Aber wie wollen Sie Jugendliche konkret für zukünftige Vorstandsarbeit gewinnen?

Lika: Ich halte es für wichtig, mit gut realisierbaren kleineren Projekten anzufangen und Jugendlichen die Möglichkeit

zu geben, daran mitzuarbeiten, aber auch Verantwortung dafür zu übernehmen. Somit ist der Erfolg für sie schnell sichtbar und die Zeit einplanbar. Wenn es dann gelingt, einige für Vorstandsämter zu gewinnen, habe ich mein Ziel erreicht.

DLZ: Haben Sie dafür ein konkretes Beispiel, wie so etwas aussehen könnte?

Lika: Natürlich. Ich habe hier noch ein Beispiel aus meinem Verein parat. Da hat es vor einigen Jahren über einen längeren Zeitraum eine offene Jugendarbeit gegeben. Diese Jugendarbeit war nicht nur den Vereinsmitgliedern offen, sondern allen Interessierten. Das ist nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich war nur, dass der Verein hierfür Geld zur Verfügung gestellt hat, welches von Jugendlichen verwaltet wurde, worüber die Jugendlichen entscheiden konnten. Das hat doch das Verantwortungsbewusstsein der einzelnen Jugendlichen gestärkt. Dieses ungewöhnliche Vertrauen ist nach meiner Ansicht der Schlüssel für unseren jugendlichen Nachwuchs im Verein. Oder anders gesagt, es war der Baubeginn.

DLZ: Das hört sich ja toll an, aber so einfach geht das natürlich auch nicht. Gib den Jugendlichen Geld und der Nachwuchs steht bereit?

Like: Das will ich damit auch nicht gesagt haben. Es wurde in der offenen Jugendarbeit natürlich auch unter der Leitung einer Erzieherin gearbeitet. Aber die Jugendlichen haben bestimmt. Sie haben beschlossen ins Zeltlager zu fahren, Fahrten zu machen, Freizeiten gemeinsam zu gestalten, Discos durchzuführen, Fernsehabende zu veranstalten oder zu basteln. Es war einfach toll. Und dass die Jugendlichen auch die Verantwortung getragen haben, war für uns faszinierend. Ich möchte versuchen, so etwas wieder auf die Beine zustellen.

DLZ: Sie haben neben dem Posten der Vorsitzenden auch noch weitereÄmter. Sie sind im Regionssportbund als stellvertretende Vorsitzende tätig und für den Ausschuss Schule und Verein sowie für Frauenarbeit verantwortlich. Darüber hinaus sind Sie parteipolitisch tätig. Wird das nicht zuviel?

Lika: Natürlich hört sich das viel an, doch es müssen einfach Prioritäten gesetzt werden. Ich glaube, dass mir das gelingt. Ich habe mir für alle Ämter im Einvernehmen mit den Verantwortlichen Schwer punkte herausgesucht, die ich bearbeiten möchte. Sollte mir die Arbeit, die mir in allen Ämtern sehr viel Spaß macht, zu viel werden, dann werde ich meine Planungen überdenken.

DLZ: Uns ist bekannt, dass Sie eine gute Sportlerin sind. Kommt durch dieseÄmterübernahmen der aktive Sport nicht zu kurz?

Lika: Das ist nicht der Fall. Ich spiele in unserer Volleyballmannschaft, mit der wir gerade in die Landesliga aufgestiegen sind. Darüber hinaus bin ich dem Tennissport sehr verbunden. Mit unserer I. Damenmannschaft spielen wir in der Verbandsklasse. Gern hätte ich früher auch Fußball gespielt, aber leider kam keine Damenmannschaft zustande. Weiterhin fahre ich gern mit dem Motorrad durch die Gegend. Das macht mir sehr viel Spaß und bedeutet für mich: Entspannung. Und die brauche ich auch mal.

© Deister-Leine-Zeitung, 99.99.2007